Vom 29. August bis 5. September 2026 macht die LesBI*Schwule T*our Station in der Prignitz. Die Antidiskriminierungskampagne des Landesverbandes AndersARTiG e.V. setzt sich seit 1998 für Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, für Demokratie sowie für den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung ein. Seit 2017 ist die Tour Bestandteil des Aktionsplans Queeres Brandenburg.
Ein besonderer Höhepunkt der diesjährigen Kampagne wird der Besuch des brandenburgischen Ministers für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke, am Donnerstag in Wittstock/Dosse sein. Der Minister unterstreicht damit die Bedeutung von Antidiskriminierungsarbeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt gerade auch im ländlichen Raum.
Die LesBI*Schwule T*our trifft in der Prignitz auf zahlreiche engagierte Partner_innen. Unterstützt wird die Kampagne unter anderem durch die Städte Perleberg, Wittenberge, Wittstock/Dosse und Kyritz, die Gespräche, Begegnungen und Veranstaltungen vor Ort ermöglichen. Darüber hinaus tragen das Kulturkombinat Perleberg e.V., der Stadtsalon Safari in Wittenberge, der CSD Prignitz sowie der Kreisjugendring Prignitz dazu bei, daß queere Themen, Kultur, Jugendarbeit und gesellschaftlicher Dialog sichtbar werden.
"Wir erleben an vielen Orten Offenheit, Interesse und die Bereitschaft, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dafür sind wir unseren Kooperationspartner_innen vor Ort außerordentlich dankbar", erklärt Projektleiter Lars Bergmann.
Um so bemerkenswerter erscheint die Haltung der Stadt Pritzwalk. Die Stadt hat sämtliche vorgeschlagenen Aktivitäten im Rahmen des Tourbesuches abgelehnt. Betroffen sind sowohl ein Informationsstand als auch die beantragte Hissung der Regenbogenflagge am Rathaus. Zur Begründung teilte Bürgermeister Dr. Ronald Thiel mit, Hauptausschuß und Stadtverordnetenversammlung hätten entschieden, am betreffenden Tag "andere Schwerpunkte" setzen zu wollen. Welche Schwerpunkte dies konkret sind, wurde nicht benannt.
Besonders schwer nachvollziehbar erscheint die Entscheidung der Stadt Pritzwalk vor dem Hintergrund, daß die LesBI*Schwule T*our bereits früher erfolgreich mit der Stadt Pritzwalk zusammengearbeitet hat. Während beim Tourbesuch im Jahr 2017 sowohl ein Informationsstand als auch eine Hissung der Regenbogenflagge am Rathaus möglich waren, verweigert die Stadt heute selbst symbolische Formen der Unterstützung.
Auch der Landkreis Prignitz lehnte eine Hissung der Regenbogenflagge vor dem Kreishaus ab und verwies auf die bestehenden Beflaggungsregelungen.
Der Landesverband AndersARTiG e.V. bedauert beide Entscheidungen. Die Regenbogenflagge steht weltweit für Menschenwürde, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade angesichts zunehmender Anfeindungen gegenüber queeren Menschen wäre ein sichtbares Zeichen der Unterstützung wünschenswert gewesen.
Dennoch blickt das Organisationsteam optimistisch auf die bevorstehende Woche. Die Vielzahl engagierter Partnerinnen und Partner zeigt, daß Vielfalt, Solidarität und demokratischer Zusammenhalt in der Prignitz auf breite Unterstützung treffen.
"Die Prignitz ist größer als manche Absage. Die vielen Menschen, Vereine, Kulturschaffenden, Verwaltungsmitarbeiter_innen und Kommunalpolitiker_innen, die uns unterstützen, senden ein starkes Signal: Queere Menschen gehören selbstverständlich zu Brandenburg und selbstverständlich auch zur Prignitz."